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Pressemeldung

 

Wie wird oder bleibt man Chef einer großen Affenbande?

Wahlgerangel und weitere spannende Herbsterlebnisse am Affenberg Salem

 Sie sollten im besten Alter sein – zehn bis 15 Jahre, körperlich fit, ehrgeizig und durchsetzungsstark sowie gute Netzwerker mit möglichst vielen hochrangigen Freunden – dies sind in etwa die Voraussetzungen für den Chefposten in einer der drei Berberaffengruppen am Affenberg Salem. In der Regel halten sich die Chefs dann zwei bis fünf Jahre. Der erfahrene, strategisch handelnde Lentigo hat seit 2015 diese Spitzenposition in der größten Gruppe mit rund 70 Tieren inne und beweist dabei viel diplomatische Geschick. „Lentigo ist inzwischen 17 Jahre alt. Jüngere ranghohe Männchen wie etwa sein Neffe Julius könnten ihm den Posten streitig machen“, weiß Biologe und Parkleiter Dr. Roland Hilgartner. „In diesen ‚Wahlkampfwochen‘ kann es hier und in den anderen Gruppen auch mal heiß hergehen. Wir sind selbst gespannt und informieren die Besucher über die Besonderheiten dieser Wahl und deren Bedeutung für die Affengruppen.“

Hierbei kommt nicht automatisch das stärkste Tier an die Macht, sondern derjenige, der es schafft, möglichst hochrangige Männchen als Koalitionspartner auf seiner Seite zu versammeln. „Diese Kontakte müssen gut gepflegt werden. Insofern steht der Chef in ständigen Koalitionsverhandlungen. Dabei spielen auch die Babys eine wichtige Rolle. Sie dienen als soziale Vermittler zwischen den Männchen. Mit einem Baby auf dem Rücken signalisieren die Männchen ihre friedliche Absicht. So werden Koalitionen gestärkt oder neue Freundschaften ermöglicht“, erläutert der Affenexperte. Dem Chef steht der Platz im Zentrum der Gruppe zu, er hat Priorität beim Zugang zur Nahrung – in freier Wildbahn kann dies überlebenswichtig sein. Auch in der anstehenden Paarungszeit genießt er einen gewissen Vorrang, wenngleich die Weibchen auf geschickte Weise über ihre Paarungspartner mitentscheiden. „Verhalten und soziale Organisation in einer Berberaffengruppe sind eine sehr komplexe Sache, bei der der Affenchef und die Affenchefin eine große Rolle spielen“, erläutert Dr. Hilgartner. Im Gegensatz zu vielen anderen Affenarten ist bei den Berberaffen auch die Rolle eines abgewählten Chefs anders. Während diese sonst teilweise die Gruppe verlassen müssen oder sich in der Rangordnung weit unten wiederfinden, erfahren sie in einer Berberaffengruppe nach wie vor Respekt und bleiben häufig bis ans Lebensende im Zentrum der Gruppe.

Über andere, stark bedrohte Affenarten aus Madagaskar und Peru sowie die Schutzprojekte der Organisation ‚Chances for Nature‘ für diese Tiere informiert derzeit eine faszinierende, bilderreiche Ausstellung. Dies wird zu den Herbstferien durch eine spezielle Naturschutzwoche ergänzt.

Den Berberaffennachwuchs kümmert das Wahlgerangel und anderes wenig – hier versuchen die diesjährigen Babys es den älteren Geschwistern beim munteren Toben und Klettern nachzutun. Wachsame erwachsene Tiere sorgen dafür, dass die Kleinen es nicht übertreiben. Für die Besucher ergeben sich dabei immer wieder herrliche Motive. Auch das dichte Winterfell leuchtet jetzt in der Sonne mit dem bunten Herbstlaub um die Wette.

Beim Weg durch das weitläufige Parkareal mit großem Weiher ergeben sich weitere spannende Beobachtungen. Im Damwildgehege kommen die schönen Bambis nun zum täglichen Mitfüttern um 16.15 Uhr hinzu. Leithirsch Emil versucht derweil, die Hirschkühe durch sein Auftreten, sein stattliches Geweih und seine kräftige Stimme zu beeindrucken. „Gerade zu Beginn der Öffnungszeit und am späteren Nachmittag lässt er sein markantes Röhren immer wieder hören“, empfiehlt Dr. Hilgartner. Dazwischen lenken die rund 20 nichtziehenden Störche durch lautes Klappern und elegante Thermikflüge den Blick nach oben.

„Einen Ausflug zum Affenberg in der prachtvollen Herbstfärbung und mit den lebhaften Tieren finde ich besonders schön“, meint eine Besucherin, die mit ihrer Familie auf dem neuen Radweg her geradelt ist. Bis zum 27. Oktober bietet sich auch der Erlebnisbus an, der den Affenberg im Stundentakt mit den Pfahlbauten in Unteruhldingen und Schloss Salem sowie den dazugehörigen Bahnhöfen verbindet. Andere nutzen den großen gebührenfreien Parkbereich für den Start in ein einzigartiges Tier- und Naturerlebnis. Öffnungszeiten: Bis 28. Oktober 2017 täglich von 9-18 Uhr, 29. Oktober bis 5. November 017 jeweils von 9-17 Uhr (letzter Einlass ½ Stunde vor Schließung. Erste Impressionen und zusätzliche Informationen gibt es über www.affenberg-salem.de.