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Pressemeldung

 

Kommunikation ist alles – Affentheater oder Affen-Talk

 Kommunikation ist alles. Das gilt auch für die Bewohner des Affenbergs in Salem. Für die rund 200 Berberaffen, die in ihrem Freigehege auf dem Affenberg in Gruppen unter perfekten Bedingungen zusammenleben, gibt es ganz eigene Kommunikationsformen, die die Ver-ständigung untereinander regeln. Der berühmte Grundsatz von Paul Watzlawick „man kann nicht nicht kommunizieren“, gilt nicht nur für uns Menschen, sondern auch für die Berberaffen. Und bei einem Besuch auf dem Affenberg ist es besonders spannend, deren ganz eigenen Regeln kennenzulernen und zu verstehen, denn auch die Wurzeln des menschlichen Verhaltens findet sich bei den nächsten Verwandten, den Affen.

Salem, 3. Juli 2019. Kommunikation ist Verständigung. Und ihr fällt im Zusammenleben der Berber-affen in der Gruppe natürlich eine besondere Bedeutung zu. Dafür nutzen die Tiere ihre Körper-haltung, Gestik, Mimik und Lautäußerungen. Die Gruppenmitglieder stehen in einem ständigen Austausch miteinander. Die Kommunikation unterstützt sie bei den grundlegenden Bedürfnissen wie der Nahrungsaufnahme, beim Spielen und in Situationen, in denen Hilfe und Unterstützung der anderen Affen notwendig ist. Zudem ist häufig politisches Geschick und harte Arbeit gefragt. Das gilt in besonderem Maße bei der Rangordnung. Während der Rang bei den Weibchen vorbestimmt ist, muss er bei den Männchen erarbeitet werden. Und das geht nur mit einem guten Netzwerk und möglichst vielen ranghohen Unterstützern. Besonderen Eindruck bei der Konkurrenz macht beispielsweise das Zeigen der langen Eckzähne, das die Mitbewerber entsprechend beeindrucken soll.

Ihre Mimik setzen die Berberaffen lebhaft ein. Das sogenannte „Drohgesicht“ signalisiert, dass es besser ist, auf Abstand zu gehen. Mit weit aufgerissenen Augen, einem zu einem „O“ geformten Mund und vorgestreckten Lippen weisen sie Rangniedere in ihre Schranken. Auch das „Schreigesicht“ verheißt nichts Gutes: Das Maul weit aufgerissen und von lautem Geschrei begleitet ist Gefahr im Verzug. Bei Konflikten oder bei aggressiven Auseinandersetzungen ist das ein klarer Hilferuf an Helfer in der Nähe. Ganz anders verhält es sich beim „Spielgesicht“, das man vor allem bei den jungen Berberaffen beobachten kann. Der Mund ist weit geöffnet und die untere Zahnreihe entblößt, was so viel heißt wie „wir wollen nur spielen“. Für uns Menschen eher bedrohlich ist das „Schnattern“: Die Affen ziehen dabei ihre Lippen zurück, öffnen und schließen den Mund und manches Mal klappern sie auch mit den Zähnen. Auch wenn das für uns Menschen eher furchterregend aussieht, ist es ein durchweg freundliches Signal der Tiere untereinander. Wenn man durch das Freigehege geht, sieht man die Tiere häufig beim gegenseitigen „Lausen“. Fellpflege ist eine Form der Kommunikation und hat nur am Rande mit Fellsäuberung zu tun. Die Affen drücken über diese Gestik ihre Zuneigung aus. Es ist eine Art Freundschaftsdienst.

Die Kommunikation der Affen ist ein Thema, mit dem sich Wissenschaftler weltweit befassen. „Wir sind im Hinblick auf wissenschaftliche Studien sehr offen, denn bei uns leben die Berberaffen fast wie in freier Wildbahn und sind dennoch Menschen gewohnt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass zahlreiche wissenschaftliche Studien über die Kommunikation bei Berberaffen aus unserem Park stammen“, so Parkleiter Dr. Roland Hilgartner. Ein wichtiger Beitrag, um auch die Wurzeln für unser menschliches Verhalten besser zu verstehen.

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